Case Study: Lernszenarios als gemeinsame Räume für Kompetenzentwicklung

Ein smartes Lernszenario: Wie deutsche und marokkanische Jugendliche mit nachhaltigem Handeln ihre berufliche Kompetenzen stärken.

In dieser Case Study zeigen wir, wie 30 Schülerinnen und Schüler in einem anspruchsvollen internationalen Projekt ein lebendiges Bildungs-Ökosystem zur Stärkung der beruflichen Handlungskompetenzen genutzt haben. Unser Lernträger ist ein Werkzeug, mit dem unsere Schülerinnen und Schüler schon heute in internationalen Teams die Lösungen für die globalen Herausforderungen von morgen entwickeln. Eingebettet in unser Lernszenario fördert dieser berufliche Handlungskompetenz und berücksichtigt insbesondere die SDGs 4, 6 und 17.

Das Projekt auf einen Blick

Vorab: Derartige Projekte sind auch für uns als dmbb nichts gewöhnliches. In Situationen wie diesen lernt man Menschen auf eine besondere und unkonventionelle Weise kennen. Man schafft für alle einen neuen, sinnhaften Rahmen, in dem gehandelt wird. Und auch dieser fachliche Rahmen ist wie hier wiederum in einen interkulturellen Kontext eingebettet, der Begegnungen möglich macht und zum Nachdenken anregt.

Ein Kontext voller Begegnungen und Erfahrungen

die beste Prävention gegen Vorurteile und starre Weltbilder.

Es war toll zu erleben, wie durch das Aufeinandertreffen zweier Kulturen neue und positive Dinge entstanden. Ergebnisse und Erlebnisse, die wir oft nicht erwartet haben und im Klassenraum schon gar nicht erleben würden.

Wir danken an dieser Stelle noch einmal allen Beteiligten des hier beschriebenen Projekts für ihre Offenheit, ihr Engagement und ihre Zusammenarbeit. Danke!

Um die Rahmenbedingungen zu veranschaulichen, geben wir hier einen kleinen Überblick über die Fakten:

Was?
Internationaler Austausch mit Fokus auf nachhaltige Wassersysteme und Entwicklung eines dauerhaften Lernträgers/ Lernszenarios.
Wer?
30 Schülerinnen und Schüler aus 3 Schulen (BBS Verden, Lycée Hassan II, ISIM/OFPPT) + Lehrkräfte aus Deutschland und Marokko.
Wo?Marrakesch, Marokko (26. März – 5. April 2025).
Ergebnis

Funktionierende Bewässerungsanlage mit Industriekomponenten als Lernträger für SHK, Elektrotechnik, Mechatronik, Industrie- & Feinwerkmechanik – nutzbar an allen Partnerschulen.
Langfristiger NutzenPraktische Kompetenzentwicklung durch Analyse, Erweiterung, Optimierung, Instandhaltung u. v. m.

Hinweis:
Die Darstellungen in diesem Bericht beziehen sich auf einige besondere Dimensionen des Lernträgers „smarte Bewässerungsanlage“. Wir zeigen, wie wir mit Jugendlichen im Rahmen eines internationalen Projektes unseren flexiblen und gemeinsamen Lernträger in den Kontext technischer Ausbildungsgänge implementieren.

Weiterführende Details finden Sie immer in den Boxen, wie auf der rechten Seite. Durch einen Klick, bekommen Sie ausführlichere Informationen!

Sie mögen lieber PDFs? Hier gelangen Sie zu unserem Projektreport. Die Case Study senden wir Ihnen gerne per Mail zu!

Hintergrund

Seit 2020 arbeiten wir international mit Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Ausbildern, Firmen, Vereinen und weiteren Akteuren im Kontext der Berufsbildung an dem Projekt „Gemeinsam gegen Wasserverschwendung“.

Wir sind der Überzeugung, dass Wasser ein weltweites Zukunftsthema ist, das eindeutig zu wenig Beachtung findet. Wasser ist dabei ein weltweit verbindendes Element und betrifft jeden Menschen. Diese Ressource zu schonen und Lösungen für die Herausforderungen in diesem Kontext zu finden, ist Zukunftsforschung und dringend nötig.

Es gibt keine Person, keine Region, die sich um Wasser keine Gedanken machen muss. Für Betriebe ist Wasser ein wirtschaftlicher Zukunftsfaktor. Es ist aber zugleich auch eine gesellschaftliche Verantwortung, vernünftig mit dieser Ressource umzugehen.

„Wasser ist ein kostbares Gut.
Es zu verschwenden, ist nicht nur ein Akt der Verantwortungslosigkeit, sondern auch eine Gewalt gegenüber denen, die keinen Zugang dazu haben.“

– Jürgen Trittin

Wir als dmbb wissen, dass wir diesen Herausforderungen mit der Magie von internationalen Partnerschaften und dem Potenzial unterschiedlicher Arbeitsweisen effektiv begegnen können.

Wir müssen es nur tun!

Das Besondere: Wir befähigen mit derartigen Projekten junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kontexten, die Herausforderungen der Zukunft anzunehmen – und das in einem berufsrelevanten Rahmen und in Form internationaler Zusammenarbeit. Ein idealer Baustein im Kontext der Fachkräfteentwicklung, aber auch im Sinne einer verantwortungsvollen Gesellschaft.

Die Herausforderung bestand also darin, mit einem Lernträger allen beteiligten Menschen einen realisierbaren Lösungsansatz für ein globales Problem vorzustellen und gleichzeitig die jeweils spezifischen beruflichen Handlungskompetenzen zu fördern.

Unser Lernszenario und die Lernträger muss also unter Berücksichtigung eines berufsspezifischen Rahmens bei den Schülerinnen und Schülern die Kreativität wecken, um technische Lösungen in die Umsetzung zu bringen. Und das alles global gedacht und lokal umgesetzt.


Ein Lernträger zur Ressourcenschonung

Der hier behandelte Lernträger und das gestaltete Lernszenario nimmt die Ressource Wasser in den Fokus und hebt sie auf eine Ebene des Handelns! Jeder kann etwas in seinem Rahmen tun!

Die Auswahl und Ausgestaltung dieses Projekts geschah unter Berücksichtigung der zu entwickelnden beruflichen Handlungskompetenzen der einbezogenen Menschen.

Schülerinnen, Schüler wie auch Auszubildende verschiedener Ausbildungsberufe und Bildungsgänge sollten ausgehend von ihren bisherigen beruflichen bzw. fachlichen, personalen und sozialen Kompetenzen befähigt werden, technische Lösungen zum Schutz der Ressource Wasser zu planen, umzusetzen und zu reflektieren.

Die Hinführung geschah im vorliegenden Fall durch den Ausruf von Wassereinsparungsmaßnahmen im Kontext eines Hotelgroßbetriebs. Durch Besuch einer solchen Hotelanlage und der Platzierung eines Prototypens in den Schulgärten wurde die Handlungssituation real, die Umsetzung notwendig und die Ergebnisse überprüfbar.

Visualisierung des Arbeitsauftrags/ Motivation
(anders als im Video dargestellt, wurde die Meerwasserentsalzung thematisch ausgeklammert)

Schon vor dem Austausch wurden die beteiligten Schülerinnen und Schüler mit den Zusammenhängen und Grundlagen der Aufgabenstellung betraut. Der konkrete Auftrag vor Ort führte dann zu einer gemeinschaftlichen, aktiven, planenden und umsetzenden Auseinandersetzung.

Combining National Knowledge for International Problems

– Florian Schnakenberg, Feinwerkmechaniker

Die insgesamt 30 deutschen und marokkanischen Schülerinnen und Schüler waren in mehreren Gruppen aktiv und aufgefordert, intensive Recherchen über die Grauwassernutzung, Regenwassernutzung und der smarten Bewässerung anzustellen. Damit entwickelten sie effektive, technische Lösungen, mit denen die Belastung der Ressource „Wasser“ signifikant gesenkt werden kann.


Insgesamt ist das Gesamtkonzept zur Wassereinsparung sehr erfolgreich bearbeitet worden. Durch die praktische Umsetzung eines „Prototypens“ dieser Anlage im Schulgarten konnte mit den bereitgestellten Industriekomponenten und der richtigen Planung, eine zuverlässige, bodenfeuchteabhängige und korrekt dimensionierte Bewässerung realisiert werden.

Diese Anlage dient nun nach dem Austausch zwei weiteren Schulen als lebendiger Lernträger, der permanent weiterentwickelt und in unterschiedliche Kontexten zum Thema „Wasser“ eingebettet werden kann.

Ein würdiger Abschluss erfolgte schließlich bei einer feierlichen Abschlussveranstaltung am Institut des OFPPT, bei der alle Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse dem internationalen Publikum vorstellten. 

Die Veranstaltung wurde durch Grußworte auf diplomatischer Ebene, eine internationale Live-Schaltung sowie die Teilnahme hochrangiger Vertreterinnen und Vertreter aus Bildungsverwaltung und Wirtschaftsförderung beider Länder zusätzlich aufgewertet und unterstrich die Bedeutung des Projekts im internationalen und institutionellen Kontext.

Hybrides Arbeiten im Projekt ist sinnvoll

Durch bereitgestellte Hilfen in digitalen Lernmanagementsystemen (wie unserem Moodle-Server), der Betreuung durch geschulte Lehrkräfte/ Trainer oder weiteren Ressourcen kann und soll das Lernszenario für andere Zielgruppen didaktisch reduziert werden. Sie soll auch Personen zugänglich gemacht werden, die nicht über das Fachwissen oder die Fähigkeiten verfügen, wie es in diesem Projekt der Fall war.

Durch die gleiche Infrastruktur kann der Lernträger aber auch als Ausgangsbasis dienen, um Skalierungen und Professionalisierungen für höhere Anspruchniveaus umzusetzen. Technische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz, die Einbindung weiterer Sensorik oder die Nutzung im Industriekontext – es ist viel möglich!

Ein Lernträger für junge Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen. Gelebte Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) – in unterschiedlichen Fachgebieten und auf unterschiedlichen Niveaus. Nur die Kreativität ist unser Limit!

Mit Lernträgern Lernräume gestalten

Durch erprobte Lernträger wie unsere „smarte Bewässerungsanlage“, offene wie auch aufbereitete (zum Beispiel digitale) Ressourcen und fachlich sowie didaktisch fortgebildete Lehrkräfte verleihen wir auch Schulen als Bildungsinstitutionen wichtige Kompetenzen.

Es sind Kompetenzen, Lernräume weiterzuentwickeln und zu gestalten, um berufsrelevante Lernaktivitäten zu initiieren. Im Idealfall bietet ein Lernträger dann ein funktionierendes Setting, das durch individuelle Schwerpunktsetzungen und Weiterentwicklungen im oben genannten Sinne die Stärken der Schulen berücksichtigt und die beruflichen Handlungskompetenzen fördert.

In Abstimmung mit den unterrichtenden deutsch und marokkanischen Lehrkräften sowie den Lehrplänen wurden schließlich wichtige berufliche Handlungsfelder mit einem fachlichen Bezug und sinnhaften Lernaktivitäten in Beziehung gesetzt, um eine Kompetenzentwicklung zu erreichen. Dabei gab es keinerlei Inselaktivitäten, denn:

Jede Aktivität hatte seinen Begründungszusammenhang!

Jede Handlung hatte berufliche Relevanz!

Der curricularer Bezug

Handlungskompetenzen werden in den Rahmenlehrplänen deutscher Ausbildungsberufe den zu unterrichtenden Lernfeldern zugeordnet. Zentral sind natürlich Fachkompetenzen, die sich in ihren Schwerpunkten grundsätzlich unterscheiden. In vielen Bereichen überschneiden sich in unseren Projekten jedoch die Fachkompetenzen unterschiedlicher Berufe, wodurch wir ein interdisziplinäres Arbeiten ermöglichen.

Diese Lernfelder und Lerngebiete (Fachoberschule Technik) geben eine didaktische und inhaltliche Struktur vor. Sie werden in den deutschen Berufsschulen durch ein schuleigenes Curriculum (Schucu-BBS) konkretisiert.

Diese gezeigte Liste lässt sich natürlich auf viele weitere Berufe erweitern, genauso wie sich das Projekt auf bestimmte berufliche Anforderungen anpassen lässt. Sprechen Sie uns an!

Auf marokkanischer Seite wurde diese Analyse ebenfalls für die dortigen Bildungsgänge mit den internen Curricula der Schulen durchgeführt.

Das Projekt bildet berufsübergreifend zentrale Lernfelder ab und ermöglicht handlungsorientiertes und interdisziplinäres Lernen entlang eines realen, nachhaltigen Lernträgers.

Langfristige Nutzung an den Partnerschulen: Wie die Anlage weiterlebt

Im Lycée Hassan II arbeitet die Anlage nun zuverlässig zur Bewässerung des Schulgartens. Da noch nicht alle Flächen integriert sind, soll die Anlage nun auch auf andere Grünflächen erweitert werden. Darüber hinaus sind weitere Erweiterungen – auch in Zusammenarbeit mit der dmbb – geplant.

Am ISIM des OFPPT hat die Anlage dazu geführt, dass ein spezieller Schulungsplatz für die Arbeit an der Siemens LOGO! eingerichtet wurde. Ergänzt wurde dieser Arbeitsplatz um SPS-Arbeitsplätze, die aus dem Hause Siemens und Schneider kommen.

An beiden Beispielen sieht man, wie die Schulen entsprechend ihrer Stärken die erworbenen Kompetenzen weiterentwickelt haben.

Partnerschaftliche Kooperation

Mögliche Weiterentwicklungen des Lernträgers haben wir schon oben beschrieben. Interessant sind aber in diesem Zusammenhang auch die Aktivitäten, die sich zwischen Schulen, assoziierten Betrieben und weiteren Akteuren ergeben können. Ist ein Lernträger auf dieser Basis vorhanden und unterrichtlich integriert, können alle im Verbund und Netzwerk aktiven Akteure über uns als dmbb partnerschaftlich zusammenarbeiten und das Potenzial der vielfachen Ausgestaltungen und Ideen nutzen.

Mögliche Ansatzpunkte können sein

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